Die grüne Lüge, die uns alle angeht – Nachhaltigkeit und Ernährung

Letztes Wochenende war ich die neue Dokumentation von Werne Boote „The Green Lie“ im Kino. In dem Film geht es um das „Green Washing“ – Das Ausnutzen des Begriffes Nachhaltigkeit im Sinne der Umwelt und der Sozialverträglichkeit von den weltweit größten Konzernen, die sich damit ihr Image aufpolieren wollen, obwohl genau sie für die verheerendsten Umweltauswirkungen, oder gar -katatstrophen (Stichwort BP-Ölkatastrophe) verantwortlich sind. Ich möchte hier nicht nur auf die Dokumentation an sich eingehen, sondern allgemein auf das Thema Nachhaltigkeit, und weil ich es bin – mit Fokus auf die Ernährung.

 

Stichwort: Palmöl

In jedem zweiten Produkt, das im Supermarkt angeboten wird, steckt Palmöl drin. Dass es da ein Problem mit Palmöl gibt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Aber was ist denn genau das Problem?

Für die Produktion von Palmöl werden im Auftrag von Großkonzernen tausende Hektar Regenwald zerstört. Nicht nur geplant und legal, sondern auch illegal – Die Konzerne streiten das natürlich ab. Das hat katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt, auf die Menschen vor Ort und auf die Tierwelt. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung dort lässt nichts Positives erahnen. Die Auswirkungen von Smog und Rauch sind vielseitig, aber nicht schön. Noch ein Plus: die Arbeitskräfte vor Ort sind so billig und kann man so gut ausnutzen, dass den Konzernen noch mehr Profit bleibt. Ist doch toll, oder? Und die dortige Politik spielt mit, denn Macht und Geld regieren die Welt.

Und wofür? Damit wir im Westen die Vielseitigkeit „bester Produkte“ genießen können. Wir sehen nur, was hinten auf der Verpackung draufsteht – nämlich, dass es grün und nachhaltig produziert wurde und irgendein Zertifikat oder Siegel draufklebt. Ziemlicher Bullshit, wenn ich das mal so sagen darf, denn Nestlé, Unilever und Co. scheren sich einen Dreck um die Umwelt, geschweige denn um die Gesundheit der Menschen.

Die Verantwortung wird auf uns abgewälzt

Der Film präsentiert interessante Sichtweisen und wirft unter anderem die Frage auf, ob wir mit unseren Konsumentscheidungen als Einzelner überhaupt etwas bewirken können, denn offensichtlich wird die Umweltsituation tendenziell ja immer noch schlechter und nicht besser. Zudem müssten wir, um uns wirklich auszukennen und zwischen „echt green“ und „fake-green“ unterscheiden zu können, Experten und Expertinnen in unzähligen Bereichen wie zum Beispiel Ernährung, Technologie, Ökologie, Soziologie und so weiter sein. Kann man das von uns „kleinen“ erwarten? Tragen nicht die Konzerne eine gewisse Verantwortung mit ihren Produkten, mit denen sie uns Menschen „versorgen“? Sind nicht SIE die Experten in ihrem Fachgebiet und sollten dementsprechend handeln und produzieren, damit nicht WIR mit jeglichen grünen Siegeln, leeren Versprechungen, Fehlinformationen und Halbwissen jonglieren müssen?

 

Wir können etwas bewirken… oder?

Macht es denn noch Sinn, sich als Einzelner und Einzelne damit auseinanderzusetzen, etwas verändern zu wollen? Haben wir denn eine Chance gegen die mächtigen, geldgeilen Konzerne, denen die Menschen und die Umwelt am Allerwertesten vorbeigehen? Ja, denn es denken immer mehr Menschen um und irgendwann sind es nicht mehr nur einzelne, sondern mehrere. In der Dokumentation wurde ein Interview mit einem Professor der Boston University geführt, der folgendes gesagt hat: Veränderungen brauchen Zeit. Die Gleichstellung der Frau ist nicht von heute auf morgen passiert. Die Abschaffung der Sklaverei war ebenfalls kein Kinderspiel. Die Tendenzen sind da – wichtig ist es, dran zu bleiben!

 

5 Punkte, die ihr im Alltag leicht umsetzen könnt

Wir ihr merkt, ist mir dieses Thema sehr wichtig. Ich beschäftige mich auch beruflich sehr intensiv damit, weiß aber selbst, dass ich nicht perfekt bin. Aber schon kleine Änderungen, machen langfristig einen Unterschied. Wie könnt ihr nun etwas bewirken mit dem, was ihr jeden Tag esst und trinkt? Ich habe euch 5 Punkte herausgearbeitet, die man im Alltag gut umsetzen kann. Auch wenn vielleicht nicht alle 5 immer und überall umgesetzt werden können – jeder einzelne für sich kann schon einiges bewirken:

 

1. Regionale und saisonale Lebensmittel kaufen
Regional und saisonal bedeutet: Kurze Transportwege und das Wissen, woher es kommt. Regionale Produkte schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch diejenigen, die sie produzieren. Österreich zeichnet sich durch seine Landwirtschaft und den vielen Kleinbauern aus. Tradition und Qualität bedeutet hier noch etwas und sollte erhalten bleiben.

 

2. Pflanzenbetont essen
Ich als Diätologin verlange von niemandem, dass er/sie sich vegetarisch oder gar vegan ernährt und somit auf Fleisch oder auf alle tierischen Produkte verzichtet. Das muss auch nicht sein, aber dennoch sollten pflanzliche Lebensmittel den Hauptteil unserer Ernährung ausmachen. Ob eine gesunde Ernährung laut den Empfehlungen auch optimal nachhaltig ist, kann man noch diskutieren, aber eine nachhaltige Ernährung ist definitiv auch gesund! Meine absoluten Helden sind Hülsenfrüchte. Linsen, Bohnen und Kichererbsen sind wahre Allrounder! Sie brauchen zum Wachsen wenig Energie, schonen den Boden, liefern wertvolles Eiweiß sowie viele Ballaststoffe und sind somit sowohl nachhaltig als auch gesund.

 

3. Fair einkaufen
Dass Kaffee und Kakao nicht bei uns wachsen ist allgemein bekannt. Deshalb müssen wir nicht darauf verzichten, aber wir können dafür sorgen, dass diejenigen, die für uns arbeiten und produzieren auch gerecht entlohnt und behandelt werden. Auch hier ertappt man sich häufig: was ich nicht sehe, betrifft mich nicht. Aber stellt euch einmal vor, ihr selbst, eure Eltern oder gar eure Kinder müssten auf pestizidverseuchten Plantagen den ganzen Tag Kakaobohnen pflücken, anstatt in die Schule zu gehen?

 

4. Bio-Produkte – eine Wissenschaft für sich…
Es gibt unzählige Bio-Siegel, die uns versprechen, dass unser Produkt frei von Pestiziden, Kunstdüngern und Gentechnik oder im Fall von Fleisch und Co. unter artgerechter Tierhaltung produziert wurde. Das klingt schön und gut, aber manche Bio-Unternehmen sind weit weg von dem ursprünglichen Bio-Gedanken. Hier ist es irrsinnig schwierig als Konsument durchzublicken. Ist wirklich Bio drauf, wenn Bio oben steht? Muss es denn immer Bio sein? Hier gibt es keine endgültige Antwort. Ich ziehe hier wieder regional und saisonal vor, denn hier weiß ich, woher es kommt, auch wenn es einmal kein Bio-zertifiziertes Produkt ist. Was bringt der Umwelt „Bio“, wenn es aus Neuseeland kommt? Kann eine riesige Bio-Kette wirklich Bio sein? Diese Problematik betrifft auch mich, denn auch ich gehe in den normalen Supermarkt einkaufen und möchte mich auf die Herkunft und versprochene Qualität der Produkte verlassen können. Für viele spielt natürlich die finanzielle Komponente auch eine große Rolle. Dazu sage ich noch einmal: mit regionalen und saisonalen Produkten kann man bei uns wenig falsch machen, denn sie schonen die Umwelt, ihre Produzenten und unseren Geldbeutel!

 

5. Frische und gering verarbeitete Lebensmittel verwenden
Die Zutatenliste von Fertigprodukten ist enorm. So ist auch der Herstellungsprozess und man hat keine Chance herauszufinden, woher die einzelnen Zutaten eigentlich kommen. Frische Lebensmittel liefern nicht nur für uns wichtige Inhaltsstoffe, sondern ersparen sich auch einen energieaufwändigen Weg. Je ursprünglicher das Produkt, desto nachhaltiger! Dafür muss man kein Profikoch werden – unter meinen Rezepten findet ihr zum Beispiel auch einfache, schnelle und gesunde Rezepte, die jeder zubereiten kann! :-)

 

Ich möchte mit diesem Beitrag nicht zu negativ wirken, aber es wird nun einmal Zeit, dass sich etwas ändert. Ich hoffe, ich konnte euch etwas ermutigen, denn jede Entscheidung, die ihr als Einzelner und Einzelne trefft, hat Auswirkungen auf euch, auf eure Mitmenschen und schlussendlich auf die gesamte Umwelt.

Wie seht ihr das Thema Nachhaltigkeit? Beschäftigt euch dieses Thema? Wie geht ihr damit im Alltag um?

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