Ist Low-Carb die Lösung?

Low-Carb ist von den heutigen Ernährungstrends nicht mehr wegzudenken. Das Internet und Social Media Kanäle sind voll von Ernährungstipps und Rezepten, die sich nach dem Prinzip von Low-Carb richten. Doch wie erfolgreich ist eine kohlenhydratarme Ernährung wirklich?

 

Low-Carb bedeutet wenig Kohlenhydrate. Das heißt, in dieser Ernährungsform werden Lebensmittel, die einen hohen Kohlenhydratanteil aufweisen, stark reduziert oder gar weggelassen. Dabei gibt es unterschiedlich strenge Formen von Low-Carb. Während manche noch relativ „sanft“ sind, gibt es auch extreme Formen, die nur minimale Mengen an Kohlenhydraten zulassen. Ein Beispiel wäre die ketogene Ernährung. Diese wird im klinischen Bereich als Therapie für Kinder mit Epilepsie oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen eingesetzt, findet heutzutage aber immer häufiger auch Anklang als Diät bzw. Ernährungsform für eigentlich gesunde Menschen.

 

Sind Kohlenhydrate Dickmacher?

Nein. Solange die Kalorienbilanz stimmt. Kohlenhydrate sind ausgezeichnete Energielieferanten und werden nur dann im Körper zu Fett umgebaut, wenn ein Überangebot herrscht. Das bedeutet konkret: werden mehr Kohlenhydrate gegessen oder getrunken als unser Körper zur Energiegewinnung braucht, baut er sie zu Fett um.

Dabei können wir die Kohlenhydrate aber nicht alle in einen Topf werfen. Zu den Kohlenhydraten gehören sowohl Getreideprodukte wie Nudeln, Kartoffeln und Brot als auch zuckerhaltige Lebensmittel wie Schokolade, Kuchen, Kekse und Gummibären. Auch Obst enthält Fruchtzucker, der zu den Kohlenhydraten gehört.

Während einfache Kohlenhydrate wie beispielsweise Zucker und Weißmehlprodukte schnell ins Blut gelangen, dort erst einmal für eine Blutzuckerspitze und anschließend für einen starken Abfall des Blutzuckers und somit für erneuten Hunger sorgen, gehen komplexe Kohlenhydrate, wie sie in Vollkornprodukten zu finden sind, langsam ins Blut. Der Blutzucker steigt konstant und sinkt anschließend langsam wieder. Die Folge: Wir bleiben länger satt.

 

Gewichtreduktion durch Low-Carb?

Ja und nein. Eine kohlenhydratreduzierte Diät hilft sehr wohl bei der Gewichtsabnahme und wird auch ernährungstherapeutisch beispielsweise bei stark übergewichtigen Menschen oder Menschen mit Anzeichen einer Fettleber eingesetzt. Dabei dient die Low-Carb-Ernährung aber nur der kurzfristigen, schnellen Gewichtsabnahme, um Folgerisiken und -erkrankungen möglichst schnell zu verringern bzw. zu vermeiden. Langfristig wird eine dauerhafte, ausgewogene Ernährung, die auch Kohlenhydrate beinhaltet, angestrebt. Nicht zu verwechseln ist hier die Low-Carb-Ernährung mit der weitaus milderen Strategie lediglich abends kohlenhydratarm zu essen, um langsam und langfristig Gewicht abzunehmen.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 konnte sehr schöne Ergebnisse über die Low-Carb Ernährung darstellen. Dabei wurden drei Diätformen über den Zeitraum von 12 Monaten verglichen: Low-Fat, Low-Carb und die mediterrane Diät. Die Low-Fat-Diät schnitt am schlechtesten ab. Mit der Low-Carb Diät wurde in den ersten vier Monaten die stärkste Gewichtsreduktion bei den Probanden erzielt. Danach stieg das Gewicht jedoch wieder an. Am Ende war die Low-Carb Diät gleichauf der Mediterranen Ernährung, die einen langsameren aber stetigeren Gewichtsverlust bei den Teilnehmern verzeichnete.

 

Low-Carb – die negativen Seiten

Low-Carb-Ernährung ist teurer als eine ausgewogene Ernährung. Nicht nur herkömmliche Lebensmittel, auf die ausgewichen wird wie beispielsweise Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind teurer. Vor allem sind es die Ersatzprodukte für Zucker wie Birken- oder Kokosblütenzucker oder Mehlalternativen, die oft bis zu zehnmal mehr kosten. Für viele Menschen spielen der Preis und die alltagsgerechte Zubereitung von Mahlzeiten eine große Rolle. Ist bei den einen das Haushaltsbudget beschränkt, müssen andere eine mehrköpfige Familie ernähren.

Zudem sind Menschen unterschiedlich. Während der eine die Low-Carb-Ernährung für sich entdeckt hat und darauf schwört, sorgt sie beim anderen für Heißhungerattacken, schlechte Laune und sogar Kopfschmerzen.

 

Low-Carb und Sport

Auch hier teilen sich die Meinungen. Während es Sportler, auch aus dem Ausdauerbereich gibt, denen es mit Low-Carb laut eigenen Angaben ausgezeichnet geht, kann man biochemisch nachweisen, dass bei einem Kohlenhydratmangel während sportlicher Betätigung negative Folgen wie Stressentwicklung und dadurch Katabolie (Abbau von Muskelmasse) sowie psychische Belastung auftreten. Der Körper ist zwar tatsächlich nicht auf Kohlenhydrate angewiesen, denn er kann sie aus Fett und Proteinen selbst herstellen. Doch gerade im (Ausdauer-)Sport stellt sich die Frage, warum man auf Kohlenhydrate verzichten soll, wenn gerade sie die primäre Quelle für schnell verfügbare Energie darstellen.

 

Fazit

Eine Low-Carb-Ernährung kann zu schnellem Gewichtsverlust führen, die dauerhafte Durchführung ist für viele jedoch schwierig. Auch der hohe Preis für alternative Lebensmittel schlägt sich im Haushaltsbudget nieder. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ohne Verzicht ist nach wie vor der geeignete Weg, um dauerhaft Gewicht zu verlieren, es zu halten sowie gesund und vor allem motiviert zu bleiben.

 

Wie ist eure Meinung zur Low-Carb-Ernährung? Habt ihr Erfahrungen damit gemacht? Wie ging bzw. geht es euch damit?

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen