Wenn fasten, dann richtig! Ein Überblick

Fasten liegt im Trend – egal in welcher Form, die beabsichtigte Nahrungskarenz verspricht große Erfolge. Früher wurde aus religiösen Motiven gefastet, heute wird durch Fasten oder Detoxing häufig Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden angestrebt. Fasten –Ja, nein, warum, wie und weshalb – Diese Punkte möchte ich mit dem heutigen Beitrag genauer betrachten!

 

Fasten für den Glauben

Das Fasten ist und war schon immer Bestandteil vieler, vor allem christlicher Religionen. In unseren Kreisen ist das 40-tagelange Fasten vor Ostern wohl das bekannteste. Obwohl das Fasten als menschliches Kulturerbe bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert wird, rückten seine möglichen Auswirkungen erst sehr spät in das Interesse der Medizin. Das Heilfasten wurde erst 1923 zu einem gängigen Begriff, als rheumatische Beschwerden damit gezielt verbessert werden konnten [1].

 

Wichtige Unterscheidung: Fasten für Gesunde oder als Therapie

Für gesunde Personen stellt Fasten oder Detoxing kein Problem dar und kann ohne Begleitung eines Arztes durchgeführt werden. Wird Fasten zur Therapie angewandt, zum Beispiel zur Therapie von Rheuma oder starkem Übergewicht muss unbedingt ein Arzt und Fachpersonal hinzugezogen werden!

 

Was passiert beim Fasten?

Wenn wir uns dazu entscheiden, dem Körper über eine gewisse Zeit keine oder sehr wenig Nahrung zuzuführen, muss sich der Stoffwechsel anpassen und reagiert dementsprechend. In der ersten Phase des Energieentzugs werden die Glykogenspeicher geleert. Das bedeutet, die gespeicherten Kohlenhydrate in Muskeln und Leber werden aufgebraucht. Je nach Trainingszustand sind die Speicher in der Leber nach 10-12 Stunden und in der Muskulatur nach 24-48 Stunden erschöpft. Danach wird vermehrt Fett aufgebaut und aus den freien Fettsäuren entstehen sogenannte Ketone, die anstatt des Blutzuckers nun insbesondere für das Gehirn die primäre Energiequelle darstellen. Nach wenigen Tagen Fasten werden ca. 90% der benötigten Energie aus dem Depotfett gewonnen und hier liegt der Knackpunkt: Der Abbau bestimmter Fettzellen insbesondere im Bauchraum führt zur Verbesserung einiger Erkrankungen! [2, 3]

Fasten_Mandarinen_Detoxing_Joyfood_Sabrina Egg_Diätologin

Wahrheit oder Mythos: Übersäuerung des Körpers

Wie bereits erwähnt, produziert der Körper in der Fastenphase viele Ketonkörper, die im normalen Stoffwechsel nur in geringer Anzahl vorkommen. Da die Leber damit etwas überfordert ist, erhöht sich dadurch die Säurebelastung, welche aber durch die vermehrte Ausscheidung der Säuren über die Atemluft und den Urin ausgeglichen wird. Daher ist eine Übersäuerung des Körpers in diesem Sinne nicht möglich. Unerlässlich ist jedoch, viel zu trinken und körperlich aktiv zu sein, um die Ausscheidung über die Nieren und über die Lunge zu fördern.
Gut zu wissen: durch die gesteigerte Ausatmung dieser Ketonkörper, kann es zum typischen Acetongeruch kommen, welcher an Nagellackentferner erinnert…

 

Formen des Fastens

Unterschieden werden das Langzeitfasten, welches tagelang nach demselben Muster durchgeführt wird (z.B. eine Saftkur), und das intermittierende oder periodische Fasten, welches durch kürzere Phasen geprägt ist. Dabei gibt es jeweils wieder zahlreiche Unterformen (z.B. abwechselnd 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen). Das Forschungsgebiet ist in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren stark angestiegen, jedoch sind die Studien dazu sehr unterschiedlich, weshalb noch weder für Gesunde noch für Kranke konkrete Empfehlungen gemacht werden können. Die Ergebnisse einiger Studien sind jedoch vielversprechend: beim intermittierenden Fasten konntenunter anderem eine bessere Gewichtskontrolle beobachtet werden.

 

Wie wird’s richtig gemacht?

Unter den richtigen Bedingungen spricht somit nichts gegen gelegentliches Fasten, um das Wohlbefinden zu verbessern oder einfach um einen (Neu-)Start in eine bewusste und gesunde Lebensweise zu wagen- sofern es nicht exzessiv und als „Crash-Diät“ betrieben wird. Auch ist es wenig sinnvoll, erst nichts zu essen, um dann erst recht über die Stränge zu schlagen. Folgende Punkte sind notwendig, für ein erfolgreiches und gesundes Fasten:

  • Ausreichende Motivation
  • Hohe Flüssigkeitszufuhr: mindestens 2,5 Liter energiefreie Flüssigkeit wie z.B. Wasser, Tee, Suppe
  • Natürliche Getränke wie Obst- und Gemüsesäfte (Smoothies)
  • Moderate körperliche Bewegung
  • Langsame Umstellung (zurück) zu einer langfristig gesunden und ausgewogenen Ernährung

Habt ihr schon einmal gefastet? Wie und wie lange habt ihr gefastet, wie ging es euch dabei und welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Fasten_Mandarinen_Detoxing_Joyfood_Sabrina Egg_Diätologin

Quellen:
[1] Buchinger O. Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg. Hippokrates Verlag Stuttgart (1928)
[2] Michalsen A, Li C (2013) Fasting therapy for treating and preventing disease – current  state of evidence. Forsch Komplementmed 20: 444–453
[3] Lischka E, Lischka N. Fasten als Therapie – Indikationen und klinische Ergebnisse. In:  Stange R, Leitzmann C (Hg). Ernährung und Fasten als Therapie . 2., überarb. Aufl., Springer Verlag, Heidelberg (2017)

Instagram

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen