Ernährung bei Long-Covid/Post-Covid

10-20% der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, sind auch lange Zeit später noch nicht wieder vollständig gesund. Hier spricht man von Long-Covid oder vom Post-Covid-Syndrom. „Long-COVID“ wird verwendet, um Anzeichen und Symptome zu beschreiben, die mehr als vier Wochen nach der akuten COVID-19 bestehen. “Post-COVID” beschreibt das Krankheitsbild ab der 12. Woche nach der ursprünglichen Infektion. Nach den aktuellsten Untersuchungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Die Symptome von Post Covid können ganz unterschiedlich ausfallen. Halten die Beschwerden schon länger an, könnte es sich um ME/CFS handeln – eine sogenannte Myalgische Enzephalomyelitis bzw. ein Chronic Fatigue Syndrome, was entzündliche Prozesse im Körper mit sich bringt. ME/CFS ist schon seit vielen Jahren bekannt. Sie kann die Folge einer viralen Infektion sein, die Ursache wie auch die Diagnostik dieser Erkrankung sind jedoch bis heute zu wenig erforscht, obwohl Betroffene eine sehr deutlich eingeschränkte Lebensqualität aufweisen [1].

Grafik mit Symptomen bei Long-Covid/Post-Covid

Einige Symptome können die Ernährung von Post-Covid Betroffenen beeinflussen oder umgekehrt: die Symptome werden durch die Ernährung beeinflusst. Zu diesen Symptomen gehören Geschmacks- und Geruchsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Appetitverlust. Auch Gewichtszunahme oder –abnahme mit begleitender Abnahme der Muskelmasse sind häufig beobachtete Symptome [2].

 

Ernährungstherapie bei Long-Covid/Post-Covid

Die medizinische Behandlung und Therapie von Betroffenen kann ganz unterschiedlich aussehen. Für viele macht es Sinn, auch eine Ernährungstherapie in Anspruch zu nehmen. Einerseits konnte man beobachten, dass Post-Covid häufiger auftritt, wenn die Ernährung der Betroffenen nicht optimal ist [3]. Andererseits ist eine Ernährungstherapie besonders dann wichtig, wenn Mangelernährung, Gewichtszunahme oder –Abnahme, Verlust von Muskelmasse, Entzündungen im Körper, Appetitverlust oder Magen-Darm-Beschwerden und Unverträglichkeiten hinzukommen.  Die Behandlung dieser Beschwerden kann den Verlauf und die Genesung wesentlich beeinflussen.

Patient:innen mit Long bzw. Post-Covid-Syndrom benötigen eine individuelle Ernährungstherapie, angepasst an ihre Symptomatik. Wichtig ist, den Ernährungszustand zu erheben, um potenzielle Nährstoffmängel zu erkennen und um gezielt körperliche und seelische Komplikationen sowie den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern zu können. Die wichtigsten Pfeiler der Ernährungstherapie bei Post-Covid sind:

  • Erhebung der Symptome
  • Die Erhebung des Ernährungsstatus: Liegt eine Mangelernährung vor? Fand eine Zu- oder Abnahme des Gewichts statt? Liegen Geschmacks- und Geruchsstörungen oder Appetitverlust vor?
  • Die Erhebung der Ernährungsgewohnheiten und der Nährstoffzufuhr: Was wird gegessen? Werden ausreichend Nährstoffe aufgenommen? Liegen Lebensmittelunverträglichkeiten vor?
  • Welche Faktoren im Alltag beeinflussen die Lebensmittel- und Nährstoffaufnahme?
  • Je nach individueller Symptomatik, den Herausforderungen und Bedürfnissen muss die Ernährungstherapie individuell angepasst stattfinden

Eine vollwertige und ausgewogene Ernährung stellt die Grundlage dar. Wichtig ist eine Lebensmittelauswahl mit einem hohen Mikronährstoffanteil (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe), um den Bedarf und gegebenenfalls auch einen durch die Erkrankung entstandenen Mehrbedarf zu decken. Zudem sollten Lebensmittel gewählt werden, die ein hohes antientzündliche Potential aufweisen (Gemüse, Obst, Nüsse, Samen, pflanzliche Öle mit hohem Omega-3-Gehalt). Auch muss auf eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr geachtet werden, um den Abbau von Muskelmasse entgegenzuwirken bzw. den Muskelerhalt und -aufbau zu unterstützen. Unter Umständen müssen eine eingeschränkte Verdauungsleistung und die damit verbundenen Lebensmittelunverträglichkeiten berücksichtigt werden. Zudem ist ein weiterer Schwerpunkt der Ernährungstherapie die Darmgesundheit, die wesentlich zu einem starken Immunsystem beiträgt!

Möglicherweise sind auch Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll – diese sollten aber nur in Absprache mit einer Fachkraft gezielt und abgestimmt eingenommen werden!

 

Die Ernährung bei Post-Covid kann sehr vielfältig und bei jedem und bei jeder unterschiedlich sein, daher sind diese Infos nur ein kleiner und sehr oberflächlicher Ausschnitt davon, wie die Ernährungstherapie aussehen kann. Wenn du von Post-Covid betroffen bist und eine Ernährungstherapie in Erwägung ziehst, dann melde dich gerne bei mir!

Grafik mit Schwerpunkten der Ernährungstherapie bei Long-Covid/Post-Covid

Quellen:

1     Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S1-Leitlinie Long-/Post-COVID. 1st ed; 2021

2     Barrea L, Grant WB, Frias-Toral E et al. Dietary Recommendations for Post-COVID-19 Syndrome. Nutrients 2022; 14(6)

3     Butler MJ, Barrientos RM. The impact of nutrition on COVID-19 susceptibility and long-term consequences. Brain, behavior, and immunity 2020; 87: 53–54

4     Ghram A, Ayadi H, Knechtle B, Ben Saad H. What should a family physician know about nutrition and physical exercise rehabilitation‘ advices to communicate to ‚long-term COVID-19‘ patients? Postgraduate medicine 2022; 134(2): 143–147

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